Endlich Wind – Überraschung zum Schluss
Früher schrieb ich schon einmal darüber, dass es schwer und leicht zu schreibende Berichte gibt. Der hier ist irgendwas dazwischen. Die gute Nachricht – er wird nicht so lang wie die Letzten.
Wir sind in Ueckermünde und freuen uns auf die Regatta „Blaues Band vom Stettiner Haff“. Im letzten Jahr musste aufgrund ungenügender Windverhältnisse abgebrochen werden. Keine Sieger, keine Punkte – kommt vor. Auch heute wurden die Windverhältnisse bei der Steuermannsbesprechung, eher am unteren Limit eingeordnet. Darum wurden noch verschiedene Exit-Szenarien erläutert (Bahnverkürzung), Fragen beantwortet, Späßchen gemacht – und schließlich alles Gute und viel Glück.

Mal nicht übertreiben mit dem segeln, schleppen bringt auch an den Start.
Unsere Crew bestehend aus Frank, Olaf, Alex, Anne, Dirk, Johanna und Ronny sammelt sich gegen 9.00Uhr am Boot und ist hoch motiviert. Wir versuchen wie immer zeitig auf der Regattabahn zu sein. Gegen 10.30Uhr soll gestartet werden, zuerst die Yachten und Jollenkreuzer, danach die Kutter. Wind (W 3-4) und Wellen sind deutlich zu spüren und versprechen einen tollen Segeltag. Hoffentlich bleiben die Bedingungen so. Wir fahren die verschiedenen Seiten der Startkreuz ab. Links, Richtung Land, dreht der Wind in Ufernähe etwas nach links und man könnte hier schon mit einem Anlieger auf die Luvtonne zufahren, um diese dann an Steuerbord liegen zu lassen. Nur eine Wende bei der Welle wäre prima. Auf der rechten Seite bolzt man erstmal gegenan und darf nicht zu weit fahren, ein Winddreher fällt uns hier nicht auf, und es braucht in jedem Fall eine zusätzliche Wende. Wir segeln die Linie ab. Genau zwei Minuten vom Schiff zum Pinend. Das Pinend ist klar bevorteilt. Die Flagge liegt im Wasser, die Boje hängt auf der Seite. Man schafft es zwar mit Wind von Steuerbord über die Linie, sollte aber nicht zu weit weg sein. Wir sind pünktlich am Schiff und können wie geplant die ganze Linie mit Vollspeed abfahren. Zwischendurch lassen wir noch einen Spätstarter aus der vor uns gestarteten Flotte passieren, er segelt auf Steuerbordbug unbeirrt seinen Kurs. Wir sind beim Startsignal auf 10 Meter Abstand an der Boje und ziehen raus. Einige Steuerbordstarter gehen hinter uns auf den Kurs. Merlin ist etwas weiter in der Mitte gestartet und zieht mit uns auf die linke Seite. Wir hören ein weiteres Signal und prüfen welche Art Rückruf geflaggt wird. Einzelrückruf. Wir schauen uns kurz an, sind sicher dass wir nicht gemeint sein können, und entscheiden weiter zu fahren. Ein Schlauchboot ist nicht platziert, nachfragen fällt also aus. Ich nehme es schon mal vorweg: Wir waren der Frühstarter! Das Pinend passierten wir mit wenigen Zentimetern Abstand und mussten dafür ordentlich luven, wenn, dann war es sehr knapp.
Die Auswirkungen des Frühstarts sind natürlich fatal. Wir wurden mit OCS (On the Course-Side) gekennzeichnet und haben damit keine Wertung für die Wettfahrt. Höchststrafe bei nur einem Segellauf. Wer die verschiedenen Berichte gelesen hat, dem wird aufgefallen sein, dass das nicht unser erster Frühstart war. Wir werden künftig wohl noch etwas an unserer Peilung arbeiten müssen.

Nach der Luvtonnenrundung Segel auf, und versuchen den Vorsprung zu halten.
Aber wie ging es weiter? Immerhin wähnten wir uns in Sicherheit und feierten den „geglückten“ Start. Mit fast 100m Vorsprung erreichten wir die Luvtonne und konnten die Segel etwas öffnen. Als erster Verfolger näherte sich aber schon bald Habakuk 2 aus Rostock und machte mächtig Fahrt. Der nächste der uns passierte, war eine versprengte Kielyacht, die, trotz beherztem Anluvens unsererseits, unbedingt über uns durchfahren musste – wieder Abwinde kassieren! Natürlich schlossen auch noch Teamwork und Kuddel auf und waren mit überlegenem Bootsspeed nicht zu halten.

Wieso musste der unbedingt über uns durch?!
Mit der Passage um die nächste Bahnmarke, war die lange Kreuz Richtung Westen zur H2 eröffnet und das Feld streute sich über die gesamte Breite des Haffs. Wir hielten uns in der Mitte und versuchten so gut es ging mitzuhalten. Nach fast zwei Stunden rundeten die ersten die Wendemarke und machten sich unter Spinnaker auf den langen Rückweg. Inzwischen waren wir erster Verfolger der sechs Boote starken Spitzengruppe. Zusammen mit SantaFe aus Anklam konnten wir uns bis zur H4, vom Rest des Feldes, etwas absetzen und gingen im Zweikampf auf den letzten Schlag Richtung Ziel. Mit dem runden der BM frischte der Wind deutlich auf. Wir hatten unter Spinnaker glücklicherweise kein Geschwindigkeitsdefizit gegenüber unseren Freunden auf der SantaFe. Auf beiden Booten war man froh auf dieses erfrischende Duell. Wir parierten in der Anfahrt auf die Ziellinie zwei engagierte Angriffe der Anklamer. Johanna war Ausguck, um sofort über plötzliche Manöver unseres Gegners zu informieren. Schmunzelnd wurde unsere Spionin gemustert, und aufgepasst, ob sie auch aufmerksam ist. Um die Ansteuerung Ueckermünde kam noch etwas mehr Verkehr ins Spiel und kostete uns einen Sekunde unserer Konzentration. SantaFe zog nun endgültig durch und schaffte es sich über uns in Luv zu platzieren. Noch 150m bis zum Ziel. Ein Angriff unsererseits kam zu zaghaft und brachte SantaFe nicht in mehr in Verlegenheit. Platz 7 für unsere Freunde aus Anklam (den sie ja sowieso erreicht hätten, s.o.).

Santa Fe in Lauerstellung (ganz klein, Bildmitte).
Spitzenleistungen wurden abermals von schon in Peenemünde auf dem Podium vertretenen Teams aus Rostock (Habakuk 2, 1.Platz) und Teterow (Teamwork, 2.Platz) gezeigt. Auf dem dritten Podiumsplatz landeten die schnellen Wolgaster mit ihrem Kuddel. Auch die weiteren Platzierungen wurden in engen Luvkämpfen ausgefochten und sorgten auf vielen Booten für Spannung bis zum Schluss.

Natürlich sorgte der Ausgang des Rennens bei uns für etwas Ernüchterung. Das nächste Mal werden wir sicher genauer prüfen, ob wir, oder wer sonst betroffen sein könnte, denn im Nachhinein wäre ein Neustart nicht so teuer gewesen. Bei unserem letzten Frühstart in Peenemünde war das eindeutiger und wir hatten schnell entschieden neu zu starten. Ueckemünde bleibt natürlich trotzdem ein fester Termin in unserem Regattakalender – erst recht jetzt, wo wir was gut zu machen haben.
Geläuterte Grüße aus Berlin
Ronny
